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Gaststätte
in den Anlagen, am Strom Nr. 115
Eigentum
Stadtgemeinde Prenzlau, Flur 28, Flurstück 25 LB 1674, Gebäudesteuerrolle 1021,
Bd. 67, Blatt 920
Die
parkähnlichen Anlagen am Mühlenstrom wurden 1782 von einem Stadtrat
B. Brodoehl angelegt und
wahrscheinlich auch gestiftet (finanziert). Die Herren Stadträte nannten
sich zu dieser Zeit Senatoren.
Das
der Herr Brodoehl der Finanzier war, ist daraus zu entnehmen, dass die Stadt
dort einen Erinnerungsstein
aufstellte.
1875
waren diese Anlagen wieder Wildnis, die Natur hatte sich durchgesetzt. Jetzt
trat der erste grüne Stadtkämmerer auf den Plan. Der Herr Strobel ist der
Mann, dem die Prenzlauer den Stadtpark und die Anlagen am Strom und zur kleinen
Heide zu verdanken haben. Das ganze Areal wurde neu gestaltet. Um die Anlagen zu
pflegen und unter Kontrolle halten zu können wurde mittendrin ein kleines Gebäude
errichtet. Dort quartierte der Magistrat einen Stadtgärtner samt Familie ein,
die für Sauberkeit und den Erhalt der Anlagen zuständig waren. Aus diesem Gebäude
entstand später die Ausflugsgaststätte. Den Namen Finkenkrug benutzte der Pächter
Fincke ab 1937.
Dieser Name hat mit der Historie der Anlagen nichts zu tun.
Erstmals
1866, im Prenzlauer Wohnungsanzeiger wird ein Gartenhausbetreiber und Gärtner
Döhring in den Anlagen erwähnt. Es werden bis der nächste Mieter in den
Adressbüchern auftaucht, noch etliche andere Betreiber da gewesen sein, aber
leider sind dafür keine Nachweis aufzufinden.
Von
1920 an wird ein Gastwirt Holzheimer als Pächter des Gartenlokals in den
Anlagen am Strom 115 genannt.
Der Nachfolger des Holzheimer war ab 1928 Willi Grabert. Der Herr Grabert
sollte nur fünf Jahre der Budiker in den Anlagen sein. Er teilte so manches
Schicksal von Gastwirten, zuviel trinken, zuviel essen, er wurde krank und
schied viel zu früh von dieser Welt. Zwei Jahre noch bis zum 15.4.1935
versuchte die Witwe des Willi Grabert das Geschäft weiterzuführen, dann gab
sie auf. Sie kündigte ohne Gründe anzugeben den Pachtvertrag mit der Stadt.
Ein neuer Pächter stand bereit, schon vor der Kündigung der Frau Grabert am
20.3.1935 bewarb sich der Oberkellner Erich Fincke um das Gartenlokal. In seinem
Bewerbungsschreiben erwähnte Fincke, dass er gehört hätte, dass Frau Grabert
aufgibt. Der Herr Fincke war bereits neun Jahre beim Gastwirt Wasmannsdorf im
Ausflugslokal Ratsberge Kleine Heide beschäftigt. Somit hat er für den Verpächter,
die Stadt alle Voraussetzungen um so ein Lokal gut zu bewirtschaften.
Herr Fincke war durch seine Tätigkeit als Kellner auch bei den Herren der Stadt
allseits bekannt, somit hatten andere Bewerber im Voraus schon mal die
schlechteren Karten.
In seiner Bewerbung stellte sich der 39jährige Fincke als Kriegsteilnehmer
1914-18 vor, teilte außerdem mit, dass er Mitglied des Stahlhelm (Organisation
ehemaliger Soldaten) sei und über 4000,00 RM verfüge. Am 19. April 1935 wurde
der Pachtvertrag zwischen der Stadt Prenzlau (dem Bürgermeister Fahrenhorst),
dem Pächter Erich Fincke und dessen Frau Luise Fincke, geb. Burmann,
geschlossen. Die Pacht betrug jährlich 720,00 RM.
Die Familie Fincke ging ans Werk, sie bot alle ihre Mittel auf, um das Lokal
wieder in einen akzeptablen Zustand zu versetzen. Fincke gab das alte Inventar
der Stadt zurück und richtete "seine Gaststätte" mit eigenem Gestühl
neu ein. Das Geschäft lief gut, die Artilleriekasernen wurden gebaut und im
Sommer 1937 mit Militär belegt. Für viele Soldaten führte der Weg in die
Stadt an Finckes Lokal vorbei. Fincke war stolz auf sein eigenes Geschäft und
nannte sein Etablissement ab sofort "Finkenkrug". Da die Räumlichkeiten
äußerst begrenzt waren und somit den erhöhten Umsätzen nicht mehr gewachsen
waren, richtete Fincke Hilferufe an den Eigentümer, die Stadt Prenzlau. Am
3.1.1936 bat er um den Anbau einer neuen Küche, im Mai 1938 um die Erweiterung,
Ausbesserung und Renovierung der Gartenveranda (Laube). 1939 dann noch mal um
mehrere Ausbesserungsarbeiten am Gebäude und einen Außenanstrich. Es herrschte
Hochkonjunktur vor dem Krieg, die Stadt hatte offensichtlich Geld und erfüllte
Finckes Wünsche.
Die gute Zeit in die sich einige so wunderbar hineingelebt hatten, war über
Nacht vorbei. Am 1. September 1939 brach der Krieg aus.
Im Februar 1940 beklagte sich Fincke beim Verpächter, sein Umsatz sei um 50%
zurückgegangen, er könne die Pacht nicht in voller Höhe zahlen und bat um 50%
Nachlass. Die Stadt lehnte ab. Fincke ließ nicht locker, er bezahlte nur den
halben Pachtzins. Außerdem brachte er geforderte Umsatzzahlen bei und berief
sich auf eine Überschwemmung des Mühlenstroms im Winter/Frühjahr 1940 in
dem die Anlagen unter Wasser standen. Sein Lokal konnte von Niemandem
erreicht werden. Nach einigem Hin und Her wurde Fincke für vier Monate die Pacht
verringert.
Das Spiel war noch nicht zu Ende. Beklagte sich Fincke am Anfang des
Krieges wegen der Überschwemmung und in diesem Zusammenhang mit dem Ausbleiben
der Gäste, so monierte er jetzt 1943 die zu geringere Zuteilung an Bier,
Kaffee, Spirituosen und die verschärfte Verdunkelung (es brannten keine Straßenlaternen
mehr).
Er
forderte die Niederschlagung der Pacht um die Hälfte.
1945
kam das bekannte "Aus" für Deutschland.
Fincke
musste seinen Betrieb aufgeben. Alle vorhandenen Räume, auch die Gastronomie
waren als Wohnbehausung belegt.
1946
im August hatte sich die Situation etwas gebessert. Fincke wohnte im
Dachgeschoss, unten in den Gasträumen wohnte eine Familie Hermann Mönke. Mönke
hatte 1939 bis 1940 und von 1942 bis 1945 aus politischen Gründen im Gefängnis
gesessen. Jetzt wollte er Fincke aus dem Haus haben und stellte am 24.5.1946
einen Antrag auf
Gewerbegenehmigung für die Gaststätte Finkenkrug.
Bevor
die Stadtverordneten und das Gewerbeamt ihre Entscheidung fällten, zog Mönke
seinen Antrag zurück und zog auch aus dem Haus. Es trat noch ein Bewerber auf
den Plan und auch Fincke wollte weitermachen. Der Antragsteller Fritz Heintze und
auch Fincke bekamen einen abschlägigen Bescheid. Das Grundstücksamt der Stadt
beschloss, die Gaststätte nicht wieder zu eröffnen. Die ehemaligen Gasträume
wurden am 1.9.1946 an eine Familie Warsinke vermietet. Der Mietpreis betrug für
die 83 m² Räumlichkeiten 45,92 RM.
1948,
am 1. März erhält Erich Fincke alle Räume im Haus von der Wohnungsverwaltung
zugesprochen. Die Familie Warsinke ist inzwischen ausgezogen. Fincke stellt einen
Gewerbeantrag und eröffnet am 1. August 1948 seinen Finkenkrug wieder. Fast
zwei Jahre dauert es, bis Fincke am 13. Juli 1950 vom
Kommunalwirtschaftsunternehmen KWU einen Pachtvertrag erhält. Der Wortlaut und
die Bedingungen waren fast die selben, wie vor dem Krieg.
Es gab eine
entscheidende und sehr gravierende Ausnahme, § 10:
" bei Wirtschaftsvergehen,
Arbeit gegen die staatliche Wirtschaftsplanung, kann der Verpächter sofort und
fristlos kündigen".
Zehn
Jahre, bis 1961, bewirtschaftet das Ehepaar Fincke ihr Ausflugslokal. Nach Erreichen des Rentenalters 1961 kündigt Erich
Fincke seinen Pachtvertrag und übergibt
der staatlichen Handelsorganisation (HO) das Lokal. Familie Fincke bekam eine
Wohnung in der Innenstadt zugewiesen und zog aus.
Wie
alles in staatlicher Hand, es wurde nicht investiert, sondern mit dem übernommenen
Inventar weitergewurstelt. Im Anfang der 1970er Jahre wurde über der Fäkaliengrube
noch ein massiver Aufbau gesetzt, aber das war es dann auch schon. Das Haus und
die Gartenanlage wurde nicht gepflegt. Der Verfall schritt immer weiter voran.
1978 kam das "Aus". Das Gebäude wurde abgerissen, heute ist nichts,
aber auch gar nichts mehr, was an das Gartenlokal erinnert, vorhanden.
B.
Heese
Quellen:
Prenzlauer
Adressbücher Mieck, Vincent 1866 - 1938, Archiv Wohnbau GmbH
Agenda 21 -
Mein Vorschlag - Stromöffnung und Gestaltung der angrenzenden
"Anlagen"
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