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Gaststätte "Kleine Heide" Kein
Archiv in Prenzlau Stadt und Land gibt Auskunft über das Haus in der Prenzlauer
Stadtforst, kleine Heide. Das
Haus an der Berliner Landstraße gelegen, ist aller Wahrscheinlichkeit nach in
den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts, um 1840, erbaut worden. Da es von
Stadtgemeinde Prenzlau errichtet wurde, kann man nicht daran glauben, dass es
als Ausflugslokal gedacht war. In den ersten Jahren wurde es vorzugsweise als
Haltestelle für die damalige Pferdepost und als Depot für die Forstbehörde
genutzt. Aus der Raststation der Post entwickelte sich dann die Restauration. Die
Stadtoberen hatten die Zeichen der Zeit erkannt. Das Gebäude wurde etwas
umgebaut und an einen Gastwirt verpachtet. Neben der Landstraße wurden die
Anlagen, die schon neben dem Mühlenstrom entstanden waren, erweitert und bis
zur Heide neu angelegt. Die ersten naturverbundenen Stadtväter unter Kämmerer
Strobel bekamen die Oberhand. Diese Anlagen machten die Wanderungen aus der
Stadt hinaus zur Kleinen Heide für viele Bürger zu einem Erlebnis. Der
gastronomische Umsatz sprengt alle Kapazitäten und so ging über einen längeren
Zeitraum das große Bauen los. Das Haus wurde vergrößert, ein Saal angebaut,
ein Biergarten mit Laube erstellt. Ein neues Abstellgebäude und Toiletten
(Plumpsklosetts) gebaut. Die Pächter wechselten aus unterschiedlichen Gründen.
Das Verhältnis zu den Herren der Stadt war zu allen Zeiten nicht immer bequem.
als einer der Betreiber ist die Familie Fattschild bekannt. Die
Fattschilds begegnen uns in Prenzlau über 150 Jahre als Gaststätten- und
Lebensmittelhändler. Ungefähr ab 1900 führte sie hier das Regime zu dieser
Zeit wurde für das Infanterieregiment 64 in der Heide, am Nordwestende, eine
Schießanlage errichte, so dass von dieser Seite das Geschäft auch noch belebt
wurde. Dieser
Schießstand hat nichts mit der Anlage der Wehrmacht aus dem Jahr 1936/37 zu
tun. Der sich ja unmittelbar hinter der Gaststätte, auch noch heute, befindet. 1920
taucht, nur auf Postkarten, eine Familie Senftleben als Restaurantbetreiber auf. Danach
führte etwa 20 Jahre lang, bis 1945, ein ehemaliger Berufssoldat das Regiment.
Und das im Sinne des Wortes, denn Alfred Waßmannsdorf war bis zum Abzug des
Militärs aus Prenzlau, 1928, Regimentskoch. Erst bei den 64ern und dann bei der
Reichswehr. Jetzt
wird zum erstenmal zu Werbezwecken der Name Waldwirtschaft "Ratsberge"
am Objekt gezeigt. Nach
Kriegsende bis September 1945 war im Haus ein Straßenkontrollposten der Roten
Armee untergebracht. Als die Sowjets das Gebäude frei gaben, fanden dort Flüchtlingsfamilien
Unterkunft. Die Belästigungen durch Soldaten der Roten Armee waren erheblich.
Der Schießplatz war gleich nebenan und die Kasernen nicht weit weg. Ende
der vierziger Jahre zogen die Mieter nach und nach aus und die Stadtverwaltung
bemühte sich die Gebäude wieder als Gaststätte zu verpachten. Da die
wirtschaftlichen Verhältnisse noch nicht allseitig geordnet waren, hatte die
Behörde wenig Einfluss auf die Auswahl der Pachtbewerber. Bis 1951, als der
gestandene Gastwirt Braatz das Ausflugslokal übernahm, wechselten die Pächter
all zu oft. die Aufsichtsbehörde und die Polizei war mehr als einmal im Haus. Dann
endlich, als der Pächter, der mehr dem Viehhandel als dem Gaststättengewerbe
nachging und mehrere Strafverfahren am Hals hatte, das Gebäude räumte, konnte
der erwähnte Herr Braatz dort loslegen. Die
Familie Braatz betrieb bis 1945 eine Gaststätte mit Pension in der Vincentstraße
Nr. 401. Am
16. Juni 1951 wird von der Stadt, vertreten durch den Bürgermeister Karl Bitter
und Franz Braatz, ein unbefristeter Pachtvertrag abgeschlossen. Am 1. März 1955
kündigen Frau und Herr Braatz aus gesundheitlichen Gründen den Vertrag. Für
viele Prenzlauer waren die dreieinhalb Jahre der Bewirtschaftung durch Braatz
die absolut besten der Nachkriegszeit. Die fünfziger Jahre brachten im
Allgemeinen für die Bürger einen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung. Von
den Jahren bei Braatz in der Kleinen Heide schwärmten viele Prenzlauer. Ein
neuer Bewerber stand schon vor der Tür. Es ist der ehemalige Wirt der
Kap-Gaststätte in Prenzlau, Otto Wiedemann, der diese Anfang der fünfziger
Jahre bewirtschaftete. Herr
Wiedemann hat zusammen mit seiner Tochter einen sehr guten Leumund. Die Gaststätte
Am Kap wurde von ihm zur vollsten Zufriedenheit der Gäste und des Eigentümers
betrieben. Sein Weggang war mit all zu schlechten Verdienstmöglichkeiten begründet.
Er nahm das Angebot der HO Templin an und leitete dort das Hotel Uckermärkischer
Hof. Seine Bewerbung fand offene Ohren bei der Stadt. Mit Vorlage vom 3.3.1955
wurde den Stadtverordneten empfohlen, der Kündigung durch Braatz und die Übernahme
durch Wiedemann zuzustimmen. Jetzt
kam die Politik ins Spiel. Mit dem selben Datum, am 3.3.1955 stellte der
Direktor der HO-Gaststätten, der Herr Domes, den Antrag, die Stadt möge seinem
Betrieb das Objekt Kleine Heide übertragen. Langfristig versteht sich. Am
10.3.1955 nahm der Stadtrat den Beschluss zurück und übertrug der
Handelsorganisation (HO) mit Wirkung vom 1. April 1955 in Rechtsträgerschaft
(kostenlose Übereignung?) das Gaststättenobjekt Kleine Heide. Am
29.3.1955 bekamen Frau und Herr Braatz eine kurze schriftliche Mitteilung, dass
der Auflösung des Pachtvertrages zugestimmt wird und in einem Satz wurde für
die zufriedenstellende Bewirtschaftung gedankt. Herr
Otto Wiedemann erhielt den abschlägigen Bescheid mit der Begründung, dass aus
"volkswirtschaftlichen Gründen" der HO das Objekt übertragen wurde.
Im nachhinein kann man feststellen, dass die HO von 1955 bis 1990 dort mehrere
Leiter einsetzte, die mehr oder weniger zu dem zeitweise nicht all zu guten Ruf
des Ausflugslokals beitrugen. Am
12.4.1955 erfolgte die Übergabe an die HO. Das Protokoll führte einen Zeitwert
von 63.367,21 Mark an und nannte folgende Räumlichkeiten: ein Schankraum mit Gästezimmer,
ein Abstellraum, ein Gastzimmer, ein Saal, eine Küche, Wohnraum, zwei Zimmer
mit Küchenbenutzung, vier Fremdenzimmer, diverse Kellerräume. Außen: Stallgebäude
mit Toiletten, Autogarage, eine überdachte, von drei Seiten geschlossene
Veranda (Laube) im Biergarten. Aufgenommen
von der VEB (G) örtliche Grundstücks- und Wohnungsverwaltung Prenzlau (Bentzin,
Harms) HO Gaststätten (Domes, Fleuter). Die
Herrschaften der Stadt und der HO waren sich wohl nicht über die rechtlichen
Bedingungen ihres Tuns im Klaren, denn sie schlossen mit selbigem Datum noch
gleich einen Nutzungsvertrag. In diesem Papier wurden jährliche Zahlungen für
Inventar und Gebäude festgelegt. "Wahrlich ein Unikum." Diese
Zweideutigkeiten führten in den folgenden Jahren zu kuriosen Streitigkeiten
zwischen die Stadt und der HO. Die HO schrieb, sie wolle renovieren, die Stadt
sollte bitteschön vorher das Dach neu decken. Die Stadt antwortete, die HO ist
Rechtsträger, somit Eigentümer oder nicht? (Stadtkämmerer Fürli) 1956
erste Renovierung durch die HO, aber nur malermäßig. Die HO ließ nicht
locker. Im Jahr 1960 teilte sie der Wohnungsverwaltung mit, dass 1961 eine
Generalreparatur fällig sei, die Stadt solle dafür schon mal 50.000 MDN (Mark
Deutsche Notenbank) einplanen. Tatsächlich wurde 1965/66 eine Generalreparatur
vorgenommen. Die Stadt stellte 20.000 MDN aus ihrem sogenannten Rücklagefonds
zur Verfügung, den Rest brachte die Wohnungsverwaltung auf. Im
Winter 1967/68 kam es für die Gaststätte ganz dicke. Der vorhandene Brunnen
gab kein Wasser mehr. Um den betrieb aufrecht zu erhalten, wurden Jauchetonnen
als Wassertonnen umfunktioniert und die HO hatte ein zusätzliches Ärgernis am
Hals: täglich wurde Wasser gekarrt. Im
folgenden Jahr war es dann endlich soweit, die PGH Glückauf Brunnenbau Prenzlau
und der VE Spezialbau Sprengtechnik Berlin machten sich ans Werk und bauten
einen neuen Brunnen. Ab März 1969 floss wieder das Wasser. Eine vorgesehene
Legung einer Wasserleitung von den Kasernen bis zur Kleinen Heide wurde aus
Baukapazitätsmängeln verworfen. Im Frühjahr 1974 beschwerte sich die HO über
den neuen Brunnen, die gemauerte Einfassung und die Abdeckung waren schon wieder
entzwei. 1977,
im Sommer, schrieb der HO-Direktor einen Brief an die inzwischen zum VEB Gebäudewirtschaft
umgewandelte Wohnungsverwaltung. In diesem Brief ging es wieder mal um die
Rekonstruktion und Renovierung des Lokals Kleine Heide. Wörtlich:
"Entsprechend einem Auftrag unserer Partei haben wir die Gaststätte Kleine
Heide zu einer Charaktergaststätte mit besonderem Erlebnisbereich zu
schaffen." Für
die Nachwelt ist festzuhalten, es gab mehrere Parteien, wenn aber von unserer
Partei gesprochen wurde, war es immer die kommunistische SED. Die HO wollte
100.000 MDN investieren und forderte von der Gebäudewirtschaft, sich mit 20.000
MDN an dem Außenbereich zu beteiligen. Die
Maßnahme wurde auch in Angriff genommen und war dann 1978 die letzte große
Renovierung vor der politischen Wende 1990. Nach
der Vereinigung Deutschland und der damit verbundenen Auflösung des staatlichen
Handels (HO) kam das Objekt Kleine Heide wieder in städtischen Besitz. Es wurde
mehrmals verpachtet, mit wenig Erfolg. Die Betreiber wechselten all zu oft. 1994
kam endlich der richtige Mann. B.
Heese Quellen: Zusatz U. Mirr |
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