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Klettes Villa Erbauer besagten Hauses war der Kaufmann und Bankier Max Klette. Das Geschäft entwickelte sich um die Jahrhundertwende zu einem der in seiner Branche führenden Häuser der Stadt Prenzlau. In diesem Materialwarengeschäft wurde mit fast allem, außer Fleisch und Backwaren, gehandelt. Der Schwerpunkt im Groß- und Detailhandel lag bei Klette offenbar auf Kaffee, Lebensmitteln, Futtermitteln, Getreide, Sämereien und Spirituosen. Dazu kam eine eigene Destillation. 1894 lebten in Prenzlau 18.000 Menschen. Die wirtschaftliche Entwicklung konnte als gut bezeichnet werden. Die letzten Kriege Preußens lagen mehr als zwei Jahrzehnte zurück. Das Deutsche Reich war vereint und bildete somit einen großen Markt. Die Eisenbahn, die am 16.03.1863 auch Prenzlau erreichte, machte es möglich, dass Waren in größeren Mengen relativ preiswert über weite Strecken hin transportiert werden konnten. Von alledem profitierte die Kaufmannsschaft und somit auch Max Klette. Im Jahr 1893 erwirbt er das etwa zwei Hektar große Areal der Wolffschen Mühle (Windmühle). Das Gelände mit den Gebäuden, Speichern und Resten der Mühle lag auf der Anhöhe hinter der Sankt-Georg-Kapelle an der Bahnlinie nach Berlin. Der auf dem Komplex befindliche Mühlenspeicher war ein aus Feld- und Ziegelsteinen errichtetes Gebäude. Die Mühle war, bis auf das Erdgeschoss, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr vorhanden. Ein Jahr später realisierte Klette seine Absicht, dort ein größeres Haus für seine Familie zu bauen. Mit der Baugenehmigung vom 07.05.1894 wird auf dem Grundstück eine Villa mit zwei Geschossen errichtet. Um den Bau finanzieren zu können, werden 50.000 Goldmark als Darlehn aufgenommen. Die Geldgeber sind unter anderem die in Stadt und Kreis bekannten Damen Susanne Staege, Stegemannshof, und Aurora Trampe aus Trampe. In Prenzlau entstanden um die Jahrhundertwende Häuser dieser Größenordnung nicht sehr häufig, maximal zehn Villen, allesamt gebaut von Fabrikanten und Kaufleuten, lassen sich nachweisen. Schon nach 15 Jahren verkaufte am 06.01.1911 der Bankier Klette sein Anwesen samt Villa an die Stadt Prenzlau. Der Magistrat zahlte den für die damalige Zeit stattlichen Preis von 65.300 Mark. Damit wurden auch alle aufgenommenen Kredite abgedeckt. Die Familie Klette zog in eine Stadtwohnung, in das Friesische Haus, Steinstraße 465. Die Stadt vermietete nun die neuerworbene Villa an damals bekannte Persönlichkeiten. Als erster nach der Familie Klette wohnte dort 1911 der Kommandeur des Landwehrbezirks, Oberstleutnant Karl von Eschwege. Es folgten unter anderem 1925 Oberstleutnant Günther von Hammerstein-Equord, 1928 Major Werner Freiherr von und zu Gilsa. 1931 wohnte dort der Professor Meyer und bis 1945 Karl Fahrenhorst, Bürgermeister der Stadt Prenzlau. Mit dem großen, von der Stadt erworbenen Grundstück tat sich für den Magistrat eine weitere Möglichkeit auf. Hinter der Villa, Richtung Süden, stand der schon erwähnte große Speicher. Dieses Gebäude war das Kernstück der Wolffschen Mühle. Es diente, wie der Name schon sagt als Lager für Korn und Mehl. Jetzt ungenutzt, wurde es von der Gemeinde zu Wohnstellen, von Wohnungen kann man hier kaum sprechen, umgebaut. Der Speicher hatte drei Etagen: Keller, Erdgeschoss und erster Stock. Alle Geschosse waren bewohnt. Insgesamt fanden in dem Gebäude über zwanzig Familien Unterkunft. Für diese jämmerliche. Behausung verlangte der Magistrat noch Miete, wenn auch relativ wenig, ca. 0,10 Pfennig pro Quadratmeter. Hinter dem Speicher in südwestlicher Richtung wurden zwei Eisenbahnwaggons (Personenwaggons 3.Klasse) stationiert und ebenfalls zu Wohnzwecken genutzt. Auf der anderen Seite des Landweges entstanden im Laufe der Jahre noch zwei weitere Wohnbaracken. a". In den Jahren vor dem letzten Krieg waren hier an diesen jetzt Masurenstraße genannten Weg ca. 50 Familienvorstände amtlich gemeldet. Da die Familien kinderreich waren, kann davon ausgegangen werden, dass dort auf dem relativ kleinen Areal 300 Menschen lebten. Dieses Quartier war das in Prenzlau allseits bekannte Wohnviertel 'Klettes Villa'. Heute, 1995, steht die Villa noch. Der bauliche Zustand ist relativ zufriedenstellend. das Haus wird von mehreren Familien bewohnt. Der Speicher und die Waggons sind nicht mehr vorhanden. Von den Baracken sind noch Reste der Fundamente zu sehen. Der Kaufmann und Bankier Max Klette hatte mit seiner Frau drei Kinder. Der
erstgeborene war Otto, geboren 1875 in Prenzlau, der sich mit dem Kaufmannsberuf
nicht anfreunden konnte. Nach dem Abitur verließ er das Elternhaus, um
Schiffbau zu studieren. Das führte ihn dann in Hafenstädte mit den
entsprechenden Werften. So unter anderem nach Wilhelmshafen, Kiel und Danzig.
Otto Klette war verheiratet. Aus seiner Ehe gingen fünf Kinder hervor. Von der Tochter Anneliese, geboren 1910, und dem Sohn Hans-Dietrich, geboren
1913 in Kiel. Ein Sohn des Otto Klette war Hans-Dietrich Klette, er wurde im 3. Reich Flieger und landete, im direkten Sinne des Wortes, wieder in Prenzlau, an dem Ort, wo sein Großvater Bankier gewesen und sein Vater zur Schule gegangen war. Hans-Dietrich Klette war Offizier auf dem inzwischen entstandenen Luftwaffenflugplatz in Prenzlau. Er und seine Frau Helga wohnten in der Grabowstraße 5. Diese Straße trägt den Namen des ehemaligen, verdienten Bürgermeisters Grabow, einen Namen, den auch seine Tante Margarethe führte. Margarethe Grabow, geboren 1877 in Prenzlau, war das zweite Kind des Max Klette. Sie war mit dem Zeitungsverleger und Herausgeber des Uckermärkischen Kuriers, Paul Grabow, verheiratet. Der Wohnsitz der Familie Grabow befand sich in der großen Villa in der Friedhofstraße 5. Das jüngste der drei Kinder Max Klettes war der Sohn Hans. Er lernte Handels- und Bankkaufmann und übernahm nach dem Tod des Vaters 1925 dessen Betrieb. In den Jahren zuvor war er im Bankhaus Korb tätig. Dieses Institut hatte seinen Sitz in der Friedrichstraße 261. Im Jahr 1923 trat er in die Bank des Vaters ein und war bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 1934 der Bankvorstand. Die Krise für den jüngsten Klette begann nach der Machtergreifung Hitlers. Die Privatbank wurde in eine GmbH umgewandelt, in der jetzt der Raiffeisenvorstand der größte Anteilseigner war. Warum Klette ausscheiden musste und wie viele Anteile er damals noch an der Gesellschaft besaß, ist nicht bekannt. Die Bank führte jetzt einen neuen Namen: "Uckermärkische Raiffeisenbank GmbH" Prenzlau, Friedrichstraße 255. Das war das große Eckhaus an der kleinen Baustraße, dessen Eigentümer der Fleischermeister Teltow war. Hans Klette wagte mit 54 Jahren noch einmal einen Neuanfang, er ließ sich als Bücherrevisor und Steuerberater nieder und eröffnete in der Klosterstraße 24 in Prenzlau sein Büro. Der letzte Kaufmann der Familie wurde nach dem Zusammenbruch des Hitlerreiches 1945 von den Sowjets abgeholt und in mehrere Lager gebracht (siehe Richtigstellung, wird später eingefügt) Die Ursache seiner Verfolgung und Inhaftierung ist nicht zu klären, es genügte wohl, Mitglied einer Soldatenvereinigung (Stahlhelm) und außerdem ein Verwandter des Zeitungsverlegers Grabow zu sein. Hatte das "humanste System der Menschheitsgeschichte", wie sich der Kommunismus selbst bezeichnete, es wirklich nötig, alte Männer, Klette war 66 und Grabow 75, bar jeder Verantwortung, in solche Lager zu stecken? Nach mehreren Jahren Lagerhaft wurde Klette nach Prenzlau entlassen. Kurze Zeit darauf ist er dann hier verstorben. Da die Ehe des Hans Klette kinderlos war, ist somit kein Nachkomme der Familie mehr in Prenzlau ansässig. Autor Herr B. Heese, Geschichtsverein Prenzlau |
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