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Grundakte XVII nr. 58 u. 15, Ersteintragung 15. März 1841, 300,20 m²
Parzellen
am Uckersee
Wasserpforte 2 ergibt sich daraus, das der Zugang zu den neu entstandenen Grundstücken noch nicht von der Uckerseite erfolgte, sondern über oder durch die Wasserpforte. Entlang der Mauer, unterhalb des Reepersteges, ging der Weg bis hin zu dem Gelände des heutigen Levetzow-Weges. Am 15. März 1841 erwarb der "Goldarbeiter" Klebe drei a 20 m² große Parzellen als Gartenland. Das war der Anfang. Später kamen noch etliche Parzellen dazu. Die ACTA XVII Nr. 58 wurde bei der Stadt angelegt. Am 25. März 1841 verkaufte Klebe schon wieder. Man kann annehmen, das er das Grundstück kaum betreten hat. Der neue Eigentümer war der jüdische Kaufmann Hirschel Hertz. Der zeigte Ende 1841 die Zerstörung seines Gartens bei der Polizei an. Am 11. April 1842 verkaufte er das Grundstück an den Schmiedemeister Friedrich Weyer. Dieser Herr Weyer hatte offensichtlich Geld und wollte Wirt werden. Auf dem Gartengelände wurde ein Saal errichtet. Ein kleines Wohnhaus war hier schon vorhanden. Doch die Sache ging schief. Weyer wurde kein Wirt sondern verpachtete in den dreißig Jahren in denen er Eigentümer und auch Bauherr war an mehrere Betreiber. Am 17. Juli 1872 verkauften die Erben, Weyer war offensichtlich verstorben, an einen Herrn Friedrich Wegener. Das war aller Wahrscheinlichkeit nach ein Fehlschuß. Wegener konnte nicht zahlen und häufte noch weitere Schulden an. Am 3. September 1875 kam es zur Zwangsversteigerung. Der neue Besitzer ist ein gewisser Rudolph Zumpe. Zumpe ist wahrscheinlich Makler, er hat Grundstück und Immobilie bestimmt günstig ersteigert. Nach schon zwei Monaten fand Herr Zumpe einen Käufer und zwar den Restauranteur Christian Hohenstein aus Berlin. Nach der sogenannten industriellen Revolution, das Reich war vereinigt, herrschte Hochkonjunktur. Jetzt sollte es auch mit dem Kurgarten nach oben gehen. Hohenstein fing gleich an zu bauen. Er hatte offensichtlich Ambitionen. Ein Schankraum wurde an den Saal angebaut, eine Sommerkegelbahn und ein Tennisplatz angelegt und eine neue Toilette errichtet. Nach sechs Jahren erhielt Herr Hohenstein ein bestimmt gutes Angebot vom "Großen Otto Zeppenfeld" und im Februar 1882 erfolgte die Grundbuchumschreibung. Otto Zeppenfeld war erst 29 Jahre alt, aber der "Größte" in Prenzlau. Er war schon als Betreiber mehrere Gaststätten und Hotels bekannt. Zeppenfeld baute eine Halle, in der Badewannenkuren angeboten wurden. Zeppenfeld war somit der Namensgeber des Kurgartens. Er errichtete im Winter ein sogenanntes Eisbahn-Restaurant, natürlich auf dem Uckersee. Seine Werbung lautete "Tanz auf dem Eis oder im Saal, je nach Laune". Der Mann hatte Ideen. Seine Gedanken waren gut, seine Bauereien aber meist illegal. Wahrscheinlich hatte er keine Zeit für Bauanträge?! Es regnete Anzeigen, Strafbefehle und Strafmandate. Zeppenfeld war wahrscheinlich der richtige Mann, denn er arrangierte sich mit den Behörden. Drei Strafbefehle konnte er aber nicht abwenden, die vom 18.10.1883,8.7.1886 und vom 5.12.1887. Allesamt wegen illegalen Bauens. Zeppenfeld zahlte. Er muss den Kurgarten in seiner Zeit zum Blühen gebracht haben, denn es war Vermögen da. Herr Zeppenfeld kaufte im Herbst 1888 den "Kaisergarten", Prenzlaus größter Vergnügungspalast. Vom Bau, der Einrichtung und dem Publikum kein Vergleich zum Kurgarten, drei Sterne besser. Zeppenfeld blieb aber noch im Kurgarten. Hier hatte er einige Gartengrundstücke dazu gekauft. So unter anderen die Parzelle 119. Die neuen Teilstücke wurden abgeschrieben und alle in dem Areal Kurgarten XVII 58 Grundbuchblatt vereinigt. Das größere Grundstück brauchte er für seine diversen Bauvorhaben. Herr Zeppenfeld war bestimmt ein guter Kaufmann, aber mit dem Fiskus nahm er es nicht so genau. Die Behörde mit ihm aber um so mehr. Als für zwei Jahre die Steuerschuld nicht bezahlt wurde, flatterte Zeppenfeld ein Zwangsversteigerungsbefehl in Haus und zwar am 21. Juli 1889. Zwei Tage später bezahlte der Schuldner. Am 1.8.1889 zog das Finanzamt den Versteigerungsantrag zurück und die Sache war erledigt. Wie bereits erwähnt hatte Herr Zeppenfeld den "Kaisergarten" gekauft. Seine Bank unter Direktor Max Klette sprang ein und ließ sich am 25.8.1889 als Eigentümer des Kurgartens eintragen. Klette war Kaufmann und Bankbesitzer, somit kein Budiker. Also nur ein Spekulationskauf. Klette suchte schnell einen neuen Betreiber bzw. Käufer. Wer sucht, der findet. Nach vier Wochen übernahm ein gewisser Robert Kozensky den Betrieb als Mieter und ein Jahr später als Eigentümer. Er sollte fast zehn Jahre dem Kurgarten als Betreiber vorstehen. Auch Kozenskys Zeit war mit Baumaßnahmen gespickt. Eine Veranda, direkt an den Saal heran, wurde gebaut. Der Verandaanbau erstreckte sich über mehrere Jahre und über mehrere Besitzer. Immer wieder wurden Teilstücke gebaut. Am Ende dieser Maßnahmen wurden die Anbauten mit dem Saal zusammengefasst. 1894 wurde eine komplette Kegelbahn als Holzfachwerk erstellt. Am 16. März 1898 musste Kozensky den allumfassenden Prüfbericht über den Kurgarten durch die Polizei und Feuerwehr über sich ergehen lassen. Auszugsweise: "175,54 m², für zwei Personen 1 m² = höchstzugelassene Personen 351. Als Fluchtwege müssen mindestens drei Türen von 3,88 m Breite vorhanden sein. Zwischen den Sitzreihen, bei Bühnenveranstaltungen, sind bei drei Meter Stuhlreihen immer ein Gang von einem Meter freizulassen." Der Prüfbericht ist acht Seiten lang und erteilt Auflagen und rügte Mängel. Diese Mängel müssen erheblich gewesen sein. Kozensky erhielt ein Strafmandat über 154 Goldmark. Das ging über die berühmte Hutschnur. Es folgten mehrere Mahnungsbefehle, der letzte am 23. Januar 1899. Zehn Tage später verkaufte Kozensky sein Objekt. Am 26. September 1899 wurde die Witwe Lydia Bohne als neue Eigentümerin des Etablissements eingetragen. Frau Lydia Bohne richtete den großen Jahrhundertball aus. Der Wechsel ins letzte Jahrhundert vor dem Jahr 2000 stand bevor. Sie bewirtschaftete das Vergnügungslokal ein bisschen mehr als zwei Jahre. 1902, am 14. März, verkaufte sie ihr Anwesen an den Restauranteur Gustav Siebke. Wie seine Vorgängerin entwickelte der Herr Siebke in baulicher Hinsicht keine besonderen Aktivitäten. Deswegen mag er in den vier Jahren, in denen er im Kurgarten Gastwirt war, gute gastronomische Leistungen vollbracht haben, aber darüber sagen die vorhandenen Unterlagen leider nichts aus. Nach vier Jahren ging der Kurgarten an den Kaufmann Wilhelm Lehr. Der Herr wurde am 9. Januar 1906 als neuer Besitzer, sprich Eigentümer, in das Grundbuch eingetragen. Lehr besaß höchstwahrscheinlich Mittel, denn er stellte gleich zwei Bauanträge. Die vorhandene Lagerkapazität für das große Haus reichte offensichtlich nicht mehr aus, es wurde ein größerer Lagerschuppen errichtet. Um noch mehr Publikum zum Tanzvergnügen zu verhelfen und den Umsatz zu steigern, wurde mit dem Bauantrag vom 5.10.1907 der Saal vergrößert. Laut Bauzeichnung wurde der Betrieb nicht unterbrochen, denn es war Ballsaison. Ob sich das Geschäftsergebnis nicht lohnte? Oder wer weiß, wie auch immer, nach zwei Jahren, am 14. Dezember 1908 , erschienen Herr Lehr mit Frau Kersten, geborene Kähne, beim Notar Dr. Sachs zur Auflassung. Das Kurgartenrestaurant ging zum Preis von 15.915,75 Mark an Frau Kersten über. Jetzt begann die fünfzigjährige Ära der Familie Kersten in diesem Haus. Unter der Familie Kersten sollte der Kurgarten von seinem äußeren Erscheinungsbild die endgültige Gestalt annehmen. 1909, am 25.11, wurde ein Bauantrag zur nochmaligen Vergrößerung des Saales gestellt. Die Vorbauten, sogenannte Veranden, die bis zu den Rundbogen reichten, wurden zugebaut und mit Fenstern versehen. Sie waren somit Bestandteil des Saales. Die Zeit der stückweise angebauten Veranden war damit vorbei. 1910 wurden immer noch Badekuren in Wannen und Liegekuren angeboten. Im selben Jahr wurde eine neue Liegehalle errichtet. Nach ein paar Jahren Konsolidierung, erfolgte am 23. September 1923 der letzte große Bauantrag für den rechten zweigeschossigen Teil des Gebäudes. Hier wurde unten ein Windfang, eine große Gästegarderobe und im Obergeschoss eine Wohnung und Abstellräume errichtet. An der linken Seite des Saalgebäudes wurde ein Bühnenhaus mit dazugehörigen Umkleideräumen (Künstlergarderoben) und Innentoiletten für den Saal erstellt. Die Unternehmer Kersten bauten nicht nur, sie machten auch Umsätze. Die Goldenen 20er Jahre waren angebrochen. Die Inflation war überstanden und der Kurgarten war einer der größten Tanzsäle in Prenzlau. Das Geschäft lief gut. Es brummte, wie man sagt. Mit der Beheizung der Einrichtung, zum größten Teil mit dem Saal, hatten die Kerstens Probleme. Gußeiserne Öfen mit überlangen Abzugsrohren waren daran Schuld. Am 1.10.1928 sperrte die Baupolizei den Saal mit der Auflage die vorhandenen Öfen durch neue bessere zu ersetzen. Laut Grundbuch wurde eine Grundschuld, die Frau Kersten übernommen hat umgewertet und zugunsten der Schultheiß-Patzenhofer Brauerei-Berlin eingetragen. Grundschuld = 3000 Goldmark gleich 1075,27 Gramm Feingold. Das uralte Nebengebäude, das als Küche genutzt wurde, drohte einzufallen. Die Betreiber kamen nicht um hin, noch mal zu investieren (letztmalig). 1938 wurde das Gebäude unterfangen und neu hergerichtet. Frau Luise Kersten muss eine sehr ausgeschlafene Frau gewesen sein. In Prenzlau herrschte in Beziehung Gaststättensektor Hochkonjunktur. Seit dem die Nationalsozialisten an der Macht waren, stand in Prenzlau wieder Militär. Das Artillerieregiment Nr. 38 mit ca. 800 Mann, die Beobachtungsabteilung, ca. 200 Mann und der Flugplatz mit ca. 600 Mann. Flugschule, Aufklärungsgruppe ect. Die Gaststätten und vor allem die fünf Tanzsäle waren immer gut besucht. Aber die Saalbesitzer, wie wir wissen, führen auf Verschleiß. Frau Kersten, mit ihren inzwischen erwachsenen Kindern, ließ ihren stark genutzten Saal nicht renovieren. Es kam soweit, das die Behörden Auflagen mit Strafandrohung erteilten. Bei Frau Kersten stießen sie auf taube Ohren. Die Wirtin hatte kein Geld. Die Geschäftskosten deckten immer gerade die Waren- und Betriebskosten. Die Umsatzeinzahlungen ließen auf diesen Konten keine Rücklagen zu. Ob die Nazis nicht an die Privatkonten der Kersten ranwollten oder konnten? Diese Sache gibt Rätsel auf. In einem mehrere Jahre wahrenden Streit stellte die Stadt das Geld für die Instandsetzung des Saales, im Jahr 1942, bereit. Es wurde ein nicht rückzahlbarer Zuschuss von ca. 400 Reichsmark gewährt. Alle größeren Betriebe und NS-Organisationen wurden gebeten, Beihilfen zu leisten. In den davor stattfindenden Auseinandersetzungen wurde immer betont, das der Kurgarten als einziger noch freier Saal, für Veranstaltungen erhalten bleiben muss. Der Gaststättenbetrieb Kurgartensaal konnte nicht als Lazarett genutzt werden, da er so gut wie keine Nebenräume hatte. Der Kurgarten überlebte den Krieg und wurde von der Familie Kersten weiter bewirtschaftet. Die Wiedereröffnung erfolgte im Herbst 1945 mit der selben Struktur wie vor dem Krieg. Es war und blieb ein reiner Tanzsaal, der dann von dem meist jungen Publikum als "Schuppen" bezeichnet wurde. Frau Kersten und ihre Tochter zogen nach Berlin und der Sohn mit "Freund" übernahm den Betrieb. Zwischenzeitlich war mal ein halbes Jahr Pause, denn auf Befehl der Sowjets wurde Korn eingelagert. Dann ging es weiter, der Kurgarten war nach dem Krieg für die Prenzlauer auch Konzert- und Theatersaal. Anfang der fünfziger Jahre trat die Volkseigene Handelsorganisation auf den Plan. Kersten vermietete seinen Betrieb an die HO. Ende 50 Anfang 60 waren die Kaufverhandlungen soweit gediehen, dass das Gelände und die Immobilie, die jetzt doch sehr marode war, in den Besitz der HO überging. Der Saal ist, wie wir festgestellt haben, auf aufgeschütteten Sumpfland gebaut. Alle Eigentümer hatten Probleme mit der Feuchtigkeit. Die HO ging daran und wollte die Sache lösen. Zuerst wurde das Uralthaus abgerissen und durch einen neuen massiven Küchen- und Wirtschaftstrakt ersetzt. Dann wollte man die Feuchtigkeit im Saal durch eine Osmosebekämpfung oder Sperrung in den Griff bekommen. Die Sache schlug jedoch fehl, das System zeigte nicht die erhoffte Wirkung. In Saal entfernte man die Bühne und ersetzte sie durch eine Bar. Der Fußboden wurde gesperrt (isoliert) und mit Parkett ausgelegt. Fünfundzwanzig Jahre nach der großen Rekonstruktion sollte der Saal noch Veranstaltungen und Tanzvergnügen unter sozialistischen Bedingungen für die Prenzlauer und ihre Gäste bieten. Die HO nannte das Lokal bei der Wiedereröffnung, nach der Renovierung, "HOG am Uckersee". Dann kam 1990 die Wende. Der Sozialismus und die HO existierten nicht mehr, der Betrieb stand somit leer. Eine staatlich eingesetzte Treuhandgesellschaft übernahm die Immobilie. Es wurde ein Käufer gesucht. Es gingen einige Jahre ins Land bis einer gefunden wurde. Im April 1997 kaufte die Firma LAT Berlin, Inhaber Heinz Laternser, das Objekt. Offensichtlich mit der Absicht den Kurgarten wieder erstehen zu lassen. Der neue Eigentümer machte sich ans Werk. Die aufsteigende Feuchtigkeit in den Wänden wurde mit Nirostastahlplatten gesperrt. Das ganze Haus mit Styropor gedämmt, neue große Fenster und Türen eingebaut und zum Schluss verputzt und gestrichen. Der alte Name kam wieder an das Haus. Jetzt 1999 macht der Kurgarten wieder einen hervorragenden Eindruck. B. HEESE Quelle: ACTA Bd. 17 Bl. 58 u. 15 Stadtarchiv Mit Korrektur, zensiert und gekürzt erscheint die Gebäudeepisode im jährlichen Mitteilungsheft des Uckermärkischen Geschichtsvereins zu Prenzlau. Die schriftliche Erstellung der Gebäudeepisode für das Erscheinen im Internet, wurde vom Architekturbüro K. Wolf ausgeführt. |
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