Ravitgraben

In den Uckermärkischen Heften Band 2, S. 3 11 ff hat Herr Wilhelm Zimmermann aus Hamburg einige alte Fotografien vorgestellt und um weitere Informationen zu den abgebildeten Gebäuden und Straßenzügen gebeten. Herr Bernhard Heese hat zu den folgenden Fotos einige interessante Details ausgearbeitet.

Drei Anwesen grenzen stadtseitig, an den Ravitgraben. Die Areale von der Fischerstraße aus sind Haus Nr. 684, Eigentümer Fischermeister Friese und das Grundstück 685, Eigentümer Mau. Ebenfalls an den Graben grenzt stadtseitig das Grundstück Neustadt 691, Eigentümer Murawski und dem Graben gegenüber Haus Nr. 692 a, Eigentümer Fistler.

Fischermeister Grametke war ebenfalls in der Fischerstraße ansässig. Er war Eigentümer des Grundstücks Haus Nr. 665, stadtseitig. Sein Gehöft grenzte an den Mittelgraben. Bis zur Verfüllung (Zuschüttung) 1933/34 des Grabens hatte er seine Fischkästen und Boote an seinem Grundstück liegen. Zu dieser Zeit war Fischermeister Hansen Mieter der Verkaufsstelle und des Liegeplatzes für Boote und Kästen im Ravitgraben Haus Nr. 691.

1933 erfolgte ein politischer Wechsel in Deutschland. Zur selben Zeit gestaltete sich auf dem Unteruckersee in Prenzlau eine wirtschaftliche und strukturelle Änderung

In wie weit es Zusammenhänge gibt, ist nicht bekannt. Im vorhergehenden Jahrhundert waren bis zu einem halben Dutzend Fischer auf dem See, die sich die Rechte teilten. 1933 waren drei übrig geblieben: Hansen, Friese und Grametke. Im selben Jahr erschien Fischermeister Michaelis in Prenzlau. Er erhielt die Pacht und die Fischerrechte für den ganzen See. Die anderen Fischer wollten nicht mehr? Konnten nicht mehr? Oder mussten weichen? Grametke, Friese und Hansen bewirtschafteten Landseen, den Kanal und Teile des Oberuckersees.

Hansen eröffnete 1934 auf dem Hof Steinstr. Nr. 464 eine Fischverkaufsstelle. Der Fischerei- und Wirtschaftshof für das Gewässer lag am Kanal kurz vor dem Möllensee. 
Des weiteren betrieb die Firma Hansen einen Schilfrohrverarbeitungsbetrieb, in der
Straße "Am Rohrteich". 
Dort wurden u.a. Matten für die Bauwirtschaft produziert. 

Die Verkaufsstelle und den Liegeplatz am Ravitgraben übernahm Michaelis. Dieser errichtete zur selben Zeit einen Fischerboothafen und Anlandeplatz am Nordufer des Sees hinter dem Elisabethgarten. Fischermeister Hansen ist seit 1934 nicht mehr am Ravitgraben präsent.

Autor Herr B. Heese, Geschichtsverein Prenzlau

Zusatz U. Mirr
Heute ist der Graben verfüllt und nicht mehr sichtbar.
Er verlief ungefähr im Bereich der jetzigen Zufahrtstraße von der Neustadt zur Ucker, also den Nordzipfel des Uckersees mit der Ücker verbindend.

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