Schützenhaus

Grabowstr. 4 (zuvor Garnisonstraße, davor Feldweg, Scheunenweg)

Im Jahr 1841 baute der Ackerbürger Meißner am linksseitigen Feldweg der Schwedter bzw. Angermünder Ausfallstraße auf der Flur 40 in der Gemarkung Prenzlau ein Gebäude, das als Ausflugslokal bestimmt war. Die großen landwirtschaftlichen Flächen waren im Besitz des Herrn Meißner und reichten vom genannten Feldweg, begrenzt durch die Schwedter Straße, bis auf das Gebiet der heutigen Bundeswehr.

Es gab noch keine St.-Georgen-Straße (heute Rudolf-Breitscheid-Straße) und keine Bahnlinie, die diese Flächen trennten.

In den Schreibebüchern der Familie Holtz wurde dazu folgendes erwähnt:

"1841 den 14. October am Donnerstag ward ein vor dem Schwedter Thore hierselbst in diesem Jahre von einem H:W. Meisner neu erbautes Schützenhaus durch eine herrliche Rede des derzeitigen Bürgermeister Herrn Kriminalrath Grabow feierlichst eingeweiht und mit einem Königsschießen der hiesigen Schützengilde dem Zwecke derselben übergeben."1

Holtz schreibt von einem neu erbauten Schützenhaus. Vielleicht war Meisner Mitglied einer der fünf Vereine?

Aller Wahrscheinlichkeit ist mit "neu" ein zusätzliches, zu den schon mindestens drei bestehenden Häusern gemeint. Anfang des neunzehnten Jahrhunderts führten laut schriftlicher Überlieferung folgende Gaststätten den Zusatz Schützenhaus.

Dies waren z.B. das Wallrestaurant seit 1810 (das spätere Börsenhaus das 1865 laut Auflage einen Schießstand nach Vorgabe baute), der Süsse-Grund am Ende der Schwedter Straße und die Lindenhallen an der Quillowbrücke am Ende der Neubrandenburger Straße. Das waren Lokale, die alle jwd. lagen und die zu dieser Zeit keine festen Schießstände besaßen. Deshalb wurden mobile Anlagen von den jeweiligen Schießbruderschaften aufgebaut, so auch am Eröffnungstag der Lokalität des Herrn Meisner. Eine Pflicht in massiven Ständen zu schießen gab es erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

1849 wurde das Objekt an den Gastronomen Schröder verkauft. Jetzt begann die große Zeit dieser Lokalität. Das Areal wurde vermessen und geteilt. Das Gaststättengrundstück reichte nun von der Grabowstraße bis zur heutigen Rudolf ?Breitscheid? Straße. Der Besitzer Schröder war der Initiator für weitere Bauten und Anlagen. Am 4. April 1861 ließ er hier eine Gartenlaube, 48 m lang, 11 m tief und 3,40 m hoch, errichten. Diese Veranda, laut Bauzeichnung Laube, in der sich bei Regenwetter die Gartengäste zurückziehen konnten, entstand höchstwahrscheinlich an der nördlichen Grundstücksgrenze (heute Bowlingbahn). Das Vorgelände wurde zu einer Parkanlage umgestaltet Nach zwanzig Jahren, Familie Schröder war immer noch Eigentümer, entsprach diese "Laube" nicht mehr den Erfordernissen, mit Baugenehmigung vom 7. März 1882 wurde die alte "Laube" durch eine zeitgemäße ersetzt. Seit Mitte der 1860er Jahre nannte sich das Etablissement Schützenhaus. Auf dem hinteren Gelände Richtung Osten (Bahnlinie) erfolgten die Schießübungen.

In Prenzlau bestanden mindestens fünf Schützengilden, Bruderschaften, Bunde oder Vereine. Die Behörden schufen gesetzliche Grundlagen, so dass nun nur noch in zugelassenen Schießanlagen geschossen werden durfte. In mindestens vier Prenzlauer Ausflugslokalen wurden in dieser Jahrhunderthälfte Schießstände gebaut. So auch bei Budiker Schröder. Nach Auflagen der Polizeibehörde baute Schröder mit Baugenehmigung vom 12. September 1868 zwei Schießstände. Diese wurden durch drei Erdwälle eingefasst, am Ende der Anlage stand eine hohe, aus Feldsteinen errichtete Fangmauer. Am Anfang der ganzen Anlage, ungefähr 20 m vom Haus entfernt, befand sich die sogenannte Schießstube.

Das Schützenhaus war auf seinem Höhepunkt angelangt. 1882 nach 33 Jahren, wahrscheinlich in der zweiten Generation, verkaufte die Familie und der neue Besitzer hieß jetzt Rust. Das war nur ein Zwischenspiel. 1883 war Maahs der Eigentümer. Er blieb Gaststättenbetreiber bis ins Jahr 1898. Um? und Neubauten, die der Genehmigung bedurften, wurden nicht durchgeführt. Alle zehrten noch vom großen "Baumann" Schröder. Von 1898 bis 1913 betrieb nun die Familie Schuster das Anwesen. Ab 20.7.1913 hieß der neue Wirt Busse. Endlich mal wieder eine Baugenehmigung. Im Frühjahr 1914 wurde im Außenpark ein Musikerpavillon errichtet. Busse war kein Geschäftsglück beschieden. Der verlorene Erste Weltkrieg und die Inflation veranlassten ihn, Anfang der 30er Jahre den Betrieb abzugeben. Als Hauptgläubiger war jetzt die Stadtsparkasse und der Prenzlauer Bankverein eGmbH und somit die Stadt Prenzlau der neue Eigentümer. Die Bewirtschaftung als Pächter übernahm der Gastwirt Max Pieper. Pieper war in seiner Branche eine "Berühmtheit". Bis 1919 war er Wirt im Börsenhaus.

Darm ging er voll Ende der 20er Jahre bis Anfang der 30er Jahre ins Schützenhaus. Pieper bewirtschaftete auch den Bürgerhof (das Schmale Handtuch) im Handwerkerhaus Schwedter Straße, zeitweise auch das ganze Haus mit Saal und Cafe´ im ersten Stock. Das war nicht alles, Max Pieper pachtete auch Anfang der dreißiger Jahre von Kersten den Kurgarten, um dann wieder bis Mitte des Zweiten Weltkrieges im Bürgerhof zu wirken. Etwa Anfang der 30er Jahre übernahm Otto Meißner das Schützenhaus von Busse bzw. von der Stadt als Pächter.

1939 kaufte dann Otto Meißner von der Stadt Prenzlau das Areal, das jetzt nicht mehr die Anlagen des Schießstandes mit einbezog. Das Grundstück mit Haus und Anlagen hatte die Größe wie es heute noch steht und liegt. Die Familie bewirtschaftete den Betrieb über das Kriegsende 1945 hinaus. Die wirtschaftlichen Bedingungen wurden für Privatpersonen immer schlechter, so dass sich Meißner genötigt sah, die Saalwirtschaft im Sommer 1953 an den staatlichen Handel HO zu vermieten. Nach dem Tod des Otto Meißner am 09.05.1968 verkaufte die Familie dann schließlich 12 Jahre später, 1980, Gebäude und Grundstücke an Heinz Borchardt und Ehefrau Ingrid. In 26 Jahren staatlicher Bewirtschaftung wurde das Objekt in einen baulich erbärmlichen Zustand versetzt. Garten, Gebäude und Lokal nebst Saal glichen fast einer Ruine. Die Familie des Otto Meißner musste dafür bluten. Sie erzielte einen nur geringen Erlös. 

Die Familie Borchardt konnte den gastronomischen Betrieb nur minimal betreiben. Die kommunistische Wirtschaftsideologie, mit der immer wieder gepredigten Erneuerung, Erhöhung, Verbesserung etc. bis zur Überholung des Weltniveaus war eine der vielen Propagandaparolen. In Wirklichkeit war die Gastronomie zu einer Zuteilungsempfängerstelle, auf niedrigstem Stand, verkommen. Durch familiäre Umstände verkauft Herr Borchardt dann 1987 an eine Familie Schulz. 

Thomas und Bettina Schulz sahen sich zu vielen Schwierigkeiten gegenüber, so dass sie den Betrieb in den zwei Jahren, in denen sie ihn besaßen, nie richtig in die Gänge brachten. Anfang 1989 wurde das Unternehmen an Jürgen und Inge Schäffer verkauft. 

Dieser Tag war ein Glückstag für das Schützenhaus. Noch unter den schon erwähnten realsozialistischen Bedingungen versuchte Herr Schäffer eine gastronomische Einrichtung zum Wohle der Gäste zu schaffen. Nach der deutschen Einheit 1991 ging es dann zügig steil nach oben. Keine blühende Landschaft, aber ein blühender gastronomischer Betrieb namens Schützenhaus entstand. Als ein folgreicher Geschäftsmann knüpfte Herr Schäffer an die Zeiten des Herr Schröder an und ließ die gastronomische Einrichtung wieder in neuem Glanz erstehen. Heute ist das Schützenhaus, das jetzt nach 156 Jahren Bestand in zentralen Bereich der Stadt liegt, ein allseits beliebtes Speise- und Vergnügungslokal.2

Autor Herr B. Heese, Geschichtsverein Prenzlau
1 Quelle: Theil, Jürgen: Aus alten Prenzlauer Schreibebüchern, Neue Quellen zur Stadtgeschichte 1. Teil, in. Uckermärkische Hefte, Band 2, 1995, S. 131
2
Quelle: Stadtarchiv Bd. 102 Nr. 1763.

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