im Volksmund "Süsser Grund" genannt
am Wege zum Gesundbrunnen
Foto 1999
Grundakte Bd. I Bl. 90 Nr. I B 8574,
1828 angelegt Bd. 17 Bl. 47
| Nr. |
Eigentümer |
Beruf |
Jahr |
| 1 |
Fleischmann |
Tabakgist
(Zigarrenfabrikant) |
1828 |
| 2 |
Stoll |
Restaurateur |
1838 |
| 3 |
Husadel |
Postwagenmeister |
05.07.1849 |
| 4 |
Husadel |
Schmiedemeister |
1860 |
| 5 |
Wolff, Franz Hermann |
Gastwirt |
1866 |
| 6 |
Kuhberg, Frederike Charlotte |
Chefmamsell |
09.10.1878 |
| 7 |
Giesicke, Wilhelmine
geb. Tetslaff |
ohne |
04.01.1884 |
| 8 |
Parchert, Carl |
Restaurateur |
1884 |
| 9 |
Parchert, Anna geb. Senf |
Gaststättenbetreiberin |
1916 |
| 10 |
Lemke, Wilhelm (Pächter) |
Gastwirt |
1925 |
| 11 |
Fischer, Otto |
Gastwirt |
1932 |
| 12 |
Reichsfiskus (Luftwaffe) Wehrmacht |
|
1935 |
| 13 |
Besatzer Rote Armee Luftwaffe |
|
1945 |
| 14 |
Reperationsgelände |
|
1947 |
| 15 |
NVA-Gelände (Kasernen) Militär DDR |
|
1949 |
| 16 |
Bundeswehrgelände (Kasernen) BRD |
|
1990 |
Abzweigend von der Schwedter Straße, entlang der Schäfergrabenniederung,
führte ein Weg in die Feldmark.
Da dieser an einem Brunnen vorbei kam und das Wasser daraus sehr gesund sein
sollte, hieß er natürlich "Weg zum Gesundbrunnen".
Wir wollen nicht über süßer, gesund, Wasser und Brunnen spekulieren,
irgendwie hing alles zusammen.
An diesem Weg lagen mehrere Parzellen, eine davon mit 1947 m².
Dieses Grundstück sollte über hundert Jahre das Ausflugslokal "Süsser
Grund" werden.
Am Anfang der Grundbucheintragung, im Jahr 1828, hieß der erste Besitzer
Fleischmann.
Er war ein sogenannter Tabakgist (Zigarrenfabrikant).
In den zehn Jahren, in denen Fleischmann Eigentümer war, wurden ein Haus mit
Wohnung und ein Gastraum errichtet.
Des weiteren kamen ein Stall und eine Scheune
dazu. Der Außenbereich wurde mit Sträuchern und Laubbäumen gestaltet.
Das Ausflugslokal war entstanden.
Im Jahr 1838 verkaufte Herr Fleischmann schon an einen ausgewiesenen Budiker,
den Herrn Stoll.
Unter Stoll entstanden folgende Baulichkeiten: eine Kegelbahn, die allseits
bekannten Lauben, für die lieben Gäste bei Regenwetter. Der Betrieb muss schon
gut gelaufen sein, denn nach Auskunft der Akte, gab es Beschwerden vom Nachbarn
wegen Lärmbelästigung (die gute alte Zeit).
1849, am 5. Juli, verkaufte Stoll an den Postwagenmeister Husadel.
Der gastronomische Betrieb wurde erst einmal eingestellt. Der Postmeister ließ
den Ausschankraum abreißen, das Wohnhaus vergrößern und ein größeres
Stallgebäude errichten. Wie es ausschaut, war das Gelände mehrere Jahre
Station für Postwagen und Pferde.
Nach zehn Jahren geht das Grundstück an den Bruder, den Schmiedemeister Husadel.
Der neue Eigentümer möchte natürlich Geld verdienen. Er stellt den
Gaststättenbetrieb wieder her.
Mit Baugenehmigung vom 16. April 1863 wird ein Saalgebäude mit etlichen
Nebenräumen errichtet.
Des weiteren eine Toilette und dazu ein größerer
Lagerschuppen.
Der Herr Husadel vermietet sein neues Etablissement an den Gastwirt Wolff.
Erst Mieter, dann kaufte er sich seinen "Süssen Grund".
Von 1866 bis
1878, zwölf Jahre lang, war Wolff in seinem Lokal für die Gäste da.
1871 war das Reich gegründet worden. Eine allumfassende Verwaltungsreform wurde
eingeführt.
Neuerungen im Immobilienrecht wurden durchgesetzt, die bis heute
gültig sind.
Waren in unserem Falle, bis 1873, noch alle Verträge handschriftlich, ohne
Stempel, nur bei Behördenkaufverträgen mit Siegel, so galten ab jetzt
Vordrucke mit Stempel, genauer Adresse ect.
Mit Grundbucheintragung vom 9. Okt. 1878 geht das Ausflugslokal an die
Musikerwitwe Kuhberg über.
Zu Frau Kuhberg:
In der Schulzenstraße, Ecke Kleine Kasernenstraße, befand sich ein Lokal.
Das
ist belegt und hat nichts mit der Freiheit des Autors zu tun.
Der Wirt trug den
schönen Namen Wilhelm Stier.
Sein bester Stammkunde war der Feldwebel Paul Ochs
vom 64. Regiment, gleich nebenan.
Das Kuriosum wurde vollendet mit der Gehilfin
des Betreibers, denn diese Dame war, sage und schreibe Frederike Charlotte
Kuhberg. Diese Herrschaften haben sich wahrscheinlich gesucht und auch gefunden.
Natürlich rief das den Volksmund auf den Plan
und dieser nannte dann auch
folgerichtig das Lokal "Rindertränke".
Frau Kuhberg muss eine lustige Witwe gewesen sein.
Das Geschäft läuft und läuft, aber wirft nichts ab, sondern es werden
Schulden angehäuft. Die Banken und der Fiskus schauen fünf Jahre zu, dann ist
Schluss.
Eine größere Summe wird zu Gunsten des Schwarzkloster-Hospital eingetragen und
der Laden am 30.101883 versteigert.
Am 4. Jan. 1884 wird ein neuer Eigentümer im Grundbuch genannt. Eine Dame
namens Lieseke. Höchstwahrscheinlich hat Frau Lieseke das Objekt ersteigert, um
es wieder zu veräußern.
Bis zum Weiterverkauf war das Lokal geschlossen.
Im November 1884 hatte Frau Lieseke bereits einen Käufer gefunden. Carl
Parchert war mit Notarvertrag und Grundbucheintragung der neue Eigentümer.
Herr Parchert entfaltete sofort Aktivitäten. Nach einem Jahr war er der
Überzeugung, dass sich eine Investition lohnen würde.
So wurde am 10. Dez. 1895 ein Bauantrag zur Errichtung eines neuen
Gaststättengebäudes gestellt. Nach einigem hin und her, erhielt der
Antragsteller und Bauherr, dann am 8.4.1896, die Baugenehmigung.
Die Abnahme des Rohbaus erfolgte bereits am 15. Juni 1896. Im Jahr darauf wurde
der Biergarten erweitert und neu gestaltet.
Alle Ausflugslokale verfügten über mehr oder weniger große Lauben. 1898 wurde
die "Alte" abgerissen und durch eine neue, größere ersetzt.
Herr Parchert dachte an Expansion.
Um sein Kaffee und seinen Biergarten eventuell zu vergrößern, kaufte er am 15.
1898 weitere 79,5 m² vom Nachbarn dazu. Er musste 1 Mark für den m²
hinblättern, für damalige Zeiten ein saftiger Preis.
Die Bauerei ging weiter. Am 3. Mai 1898 stellte Parchert einen Bauantrag für
ein neues Toilettenhaus. Eine 4 x 5 Meter große Düngergrube, darauf ein
Plumsklohaus mit vier Brillen, je zwei für Damen und zwei für Herren und für
die Männlichkeit eine 4 Meter lange Pissoirrinne.
Der Fortschritt hielt Einzug. Am 23.11.1899 stellte der Betreiber einen Antrag
zur Aufstellung einer Äthylen-Gasanlage. Offensichtlich sollte ein Küchenherd
und Saalöfen mit Gas beheizt werden.
Die Behörden hegten Zweifel, ob eine
Genehmigung erteilt wurde, war nicht zu ermitteln.
Schon wieder wird an- und umgebaut. Am 31. Mai 1902 beginnt der Erweiterungsbau
am Saal , Wohn- und Restaurantgebäuden. Es waren erst sechs Jahre vergangen,
als Haus und Saal erbaut wurden und nun schon aufs Neue die Vergrößerung von
beiden Gebäuden.
Der Saal wurde von 100 auf 140 m² vergrößert und erhielt bei der Abnahme der
Baulichkeit eine Zulassung von 250 Personen.
Die Zahl, aus den Akten entnommen, erscheint sie nicht etwas hoch?
Das Grundstück erhielt eine neue Hausnummer, bisher Angermünder Straße 1,
zur
Jahrhundertwende Schwedter Straße 33.
Der Erste Weltkrieg war ausgebrochen, Carl Parchert mußte zum Militär.
Er war Gefreiter in der Etappen-Fuhrkolonne 398 G. 1916 wurde die Einheit an die
Front verlegt.
Zuvor überschrieb Herr Parchert sein Grundstück und die
Immobilie seiner Frau Anna geb. Senf.
Wegen der Grunderwerbssteuer wurde vom Finanzamt eine Wertermittlung erstellt,
sie lautete 25900 Mark. Eintragung ins Grundbuch zu Gunsten von Frau Anna
Parchert geb. Senf. Des weiteren bevollmächtigte Parchert seine Frau für den
Rest des Vermögens, außerdem für alle geschäftlichen und privaten Belange
während seiner militärischen Abwesenheit. Diese Vollmacht, als seine
Vertretung, ist vom Kommandeur der Etappen-Fuhrkolonne 398 G anerkannt und
gegengezeichnet.
Als der Hausherr aus dem Krieg zurückkehrte, begann eine von vielen schlechten
Zeiten in Deutschland.
Die Grundstückskäufe der Familie Parchert sollten jetzt etwas Gewinn bringen.
Die Stadt suchte Grundstücke, um für das Wasserwerk neue Waserquellen
(Brunnen) zu erschließen. Carl Parchert besaß so ein Grundstück am Weg zum
Gesundbrunnen.
Der Magistrat bot Parchert für sein Grundstück von 1900 m² 1500 Mark, der
Verkäufer wollte 2500 Mark.
Am 25.3.1919 unterschrieben der Bürgermeister Carl Brunner und der Stadtrat
August Stegemann den Notarvertrag über 2500 Mark. Parchert hatte ein gutes
Geschäft gemacht.
Dieses Handeln zog noch einiges nach andere sich.
Familie Parchert verkaufte weiter, wenn das Gebot stimmte. Was nicht zu
verkaufen war, wurde verpachtet. Das Haus und das Gewerbegrundstück wurden zu
den mit
übernommenen Schuldeintragungen nicht weiter belastet.
Offensichtlich kannte die Stadt nicht ihren eigenen Grundbesitz, denn mit
Schreiben vom 11. Juli 1920 fragte sie beim Grundstückskataster nach den
vorhandenen städtischen Flächen,
auf dem Areal am Weg zum Gesundbrunnen.
Es gab Ärger mit den am 25.3.1919 erworbenen Flächen der Parcherts.
Es meldete sich ein Ackerbürger, der verbriefte Vorkaufsrechte aus dem Jahr
1820, nachweisen konnte. Sein Einspruch blieb ohne Erfolg (Wasser für die
Allgemeinheit).
All diese geschäftlichen Aktivitäten der Frau Anna und des Carl Parchert
hatten ein menschlich trauriges Ende.
Am 30. März 1923 starb Frau Anna und zwanzig Monate später, am 29.11.1924 Carl
Parchert.
Das Ehepaar Parchert hinterließ vier, noch nicht erbfähige Kinder. Das
Amtsgericht Prenzlau setzte einen Treuhänder ein. Nach Zeitzeugen, wechselte
dieser im Laufe von zehn Jahren. Der letzte Treuhänder, der die Sache zum
glücklichen Abschluss brachte, war höchstwahrscheinlich Rechtsanwalt Dr.
Zierenberg.
Der gerichtsbeauftragte Verwalter versuchte die Lokalität zu verkaufen, ohne
Erfolg.
Um für die Kinder das Erbe zu erhalten, musste eine andere Lösung gefunden
werden.
Da keine Kaufinteressenten, noch Pachtbewerber vorhanden waren, wurde das
Restaurant im Frühjahr 1925 an einen Herrn Wilhelm Lemke vermietet.
Der Gastronom wirtschaftete recht und schlecht bis in den Herbst 1930.
Dann kam das jähe Ende für Lemke und das Tanzlokal.
Während einer Veranstaltung brach im Saal ein Feuer aus. Von den Gästen kam
niemand zu Schaden.
Die Feuerwehr war relativ schnell vor Ort. Der Saal brannte,
nach Baupolizeiangaben, nur zur Hälfte ab bzw. aus.
Der Treuhandverwalter ließ den Schaden ermitteln und stellte gleichzeitig einen
Bauantrag zum Wiederaufbau.
Inzwischen hatte sich ein Käufer für Haus und Grundstück gefunden.
Ein
gewisser Otto Fischer.
Dieser Herr Fischer sollte der letzte Betreiber des Ausflugslokals, Biergartens
und Tanzsaales "Süsser Grund" sein.
Übrigens nannte Herr Fischer sein Etablissement nicht mehr "Süsser
Grund" sondern "Ausflugslokal am Gesundbrunnen in Prenzlau".
Am 10. Dez. 1931 wurde der Kaufvertrag beim Notar unterschrieben. Grundstück
und Gebäude gingen unter Bd. 17 Bl. 47 Schwedter Straße 33 von Eigentümer
alt, Carl und Anna Parchert an Eigentümer neu, Otto Fischer über.
Die wirtschaftlichen Zeiten waren schlecht, man kann sagen, sie waren am Anfang
der 30er Jahre die miesesten des Zwanzigsten Jahrhundert.
Ein Jahr war der Saal nicht in Betrieb. Er war nach dem Brand provisorisch
gesichert worden.
Fischer beauftragte schon vor Verkaufsvertragunterzeichnung die Baufirma Scheil
mit der Instandsetzung des Saales. Die Baupolizei wurde um Freigabe des Saales
ersucht. Es sollten Weihnachts- und Silvesterveranstaltungen durchgeführt
werden. Die Behörden stellten zu viele Mängel fest und sperrte den Saal
weiterhin.
Die Baufirma Scheil wurde beim Bauamt und der Baupolizei vorstellig, konnte aber
kein Umdenken erreichen.
Der Saal wurde nicht freigegeben. Der Bau wurde jetzt kontinuierlich fertig
gestellt werden. Die Maßnahmen zogen sich bis in den Sommer hin. Teilrechnungen
konnten vom Bauherrn nicht beglichen werden. Zu allem Überfluss konnte die
Baufirma die statischen Berechnungen für die Dachbinderkonstruktion nicht
erbringen. Der Saal war fertig, aber nicht abgenommen. Somit stand er ungenützt
bis Juli 1932 leer.
Als alles in Papier und Tüten war, wurde statt Weihnachtstanz der Saal mit
Sommertanz eröffnet.
Es dauerte nur ein halbes Jahr und Gastronom Fischer war mit seiner Kunst am
Ende.
Die Geschäfte gingen überhaupt nicht. Keine Gäste, kein Umsatz, kein
Geld. Das Objekt hatte Fischer zwar gekauft, aber immer noch keinen Pfennig
bezahlt.
Die Baukosten waren auch noch offen. Die Betriebskosten drückten. Herr Fischer
sann nach Auswegen.
Am 12.11.1932 schickte er ein Schreiben an den Bürgermeister und machte den
Vorschlag, die Stadt möge das Lokal als Jugendherberge mieten oder auch kaufen.
Als Preis nannte er 26000 Mark. Er selbst wollte als Herbergsvater wirken. Die
Stadt reagierte äußerst schnell, drei Tage später am 14.11.1932 kam schon die
Absage.
Herr Fischer gab nicht auf. Einen Monat später hatte er eine neue Idee.
Mit Schreiben vom 20.12.1932 stellte er einen Antrag an den Magistrat der Stadt
Prenzlau und bat um die Genehmigung, ein Altenheim auf privater Basis zu
errichten.
Es wurde ein Konzept eingereicht. Darin waren die Baulichkeiten aufgeführt,
Speisesaal, Badestube, Wohnräume ect. und der große Garten.
Außerdem würde das gesund Umfeld mit dem Acker, Obstgarten und Wege gepriesen,
insgesamt 10000 m².
Die Stadt lehnte ab. Begründung, keine fachliche Kompetenz, keine Qualifikation
(Altenpfleger) und außerdem sind die Gebäude dafür nicht geeignet.
Fischer machte auf Sparflamme weiter. Die Gläubiger hielten noch still, es bot
sich ihnen keine Alternative.
Die tauchte zwei Jahre später, in Form der
Deutschen Luftwaffe und Handelsaktien = Gesellschaft Berlin W 8 Mauerstraße 77,
auf.
Die Nationalsozialisten waren an der Macht. Unter einem zivilen Anlass
bereiteten sie den Aufbau einer Luftwaffe vor.
In Prenzlau sollte ein Militärflugplatz entstehen. Das auserkorene Gelände
wurde systematisch von der oben genannten Firma aufgekauft.
So kam auch Fischer in den Genuss von etwas baren.
Am 4. März 1935 verkaufte er 1200,38 m² Acker, aus dem Flurstück 6 Bl 159, an
die genannte Gesellschaft.
Das Restaurant hatte inzwischen ein neues Logo, "Gesundbrunnen
Restaurant".
Jetzt hoffte der Betreiber auf die Bauarbeiter und die
Luftwaffensoldaten als Gäste, aber auch dieser Wunsch erfüllte sich nicht.
Am 24.10.1935 schrieb Fischer einen Brief an den Bürgermeister der Stadt und
bat darin, die Stadt möge sein Objekt kaufen. Er begründete seine Bitte damit,
dass sein Restaurant an diesem Standort keine Zukunft hat, da die Gäste
ausblieben.
Vom Bahndamm und dem Flugplatz förmlich zugeschüttet, war der "Süsse
Grund" nicht mehr zu finden, ja praktisch nicht mehr vorhanden.
Die Stadtverwaltung zeigte sich unerbittlich. Schon am 24.10.1935 kam die
Antwort vom Bürgermeister Fahrenhorst: abgelehnt.
Herr Fischer ging zum Gericht und leistete am 4.4.1936 den Offenbarungseid. Das
Gericht setzte für den 20. Mai 1936 eine Versteigerung von Haus und Hof an.
Jetzt ging alles ziemlich schnell.
Unter den Bietern war der Reichsfiskus Luftwaffe Luftkreiskommando II Berlin der
Meistbietende, der dann auch den Zuschlag für 16733 RM erhielt.
Schon vier Wochen später war unter Bd. 17 Bl. 47 die Reichsregierung
eingetragen. Otto Fischer bekam keinen Pfennig, von diesem Betrag zu sehen. Das
Geld wurde auf ein notarielles Aderkonto gelegt. Die Gläubiger wurden
anteilmäßig befriedigt. An erster Stelle standen die Kinder der Anna und des
Karl Parchert. So bekamen sie nach langen Jahren doch noch ein Teil ihres Erbes.
Das Areal und die Gebäude des Ausflugslokal "Süsser Grund" am
Gesundbrunnen wurden mit in das militärische Gelände einbezogen. Damit war die
Episode - Lokal -beendet.
Die Luftwaffe nutzte die Räumlichkeiten als Flick- und Schusterstuben.
Die Akte war noch nicht geschlossen. Noch etliche Jahre vor Kriegsausbruch,
stritten der Oberpräsident der Provinz Brandenburg mit dem Reichsfiskus über
die Gelder, die für die Anlegung neuer Wege um den Flugplatz, benötigt wurden.
B. HEESE
Quelle: Historisches Stadtarchiv Bd. 17 Bl. 47
Mit Korrektur, zensiert und gekürzt
erscheint die Gebäudeepisode im jährlichen Mitteilungsheft des
Uckermärkischen Geschichtsvereins zu Prenzlau.
Die schriftliche Erstellung der
Gebäudeepisode für das Erscheinen im Internet wurden vom
Architekturbüro K. Wolf ausgeführt.
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