Störche lassen auf sich warten. Grund ist fehlender Aufwind in der Türkei.
Storchen-Experte Heino Hauf gibt Auskunft
Artikel vom 08.04.2003   Uckermark Kurier - Prenzlauer Zeitung


Uckerland
(cm). Die Störche lassen in diesem Jahr ungewöhnlich lange auf sich warten. Bislang wurden in der Uckermark nur wenige Exemplare gesichtet. "Viel weniger als in den Vorjahren." - Storchen-Experte Heino Hauf sieht zwischen dem überraschenden Frosteinbruch und der verspäteten Ankunft allerdings keinen Zusammenhang.
"Das Wetter ist den Tieren egal", versicherte er dem Uckermark Kurier. Sie könnten die Minusgrade gut vertragen und fänden mittlerweile auch genug Futter in der Natur. Der Prenzlauer Vogelkundler sieht die Ursache für die Verspätung hauptsächlich in der aktuellen Wetterlage in der Türkei, dem Land, das die Adebare auf ihrem Weg aus dem Süden überqueren.
"Die Störche brauchen viel Aufwind zum Fliegen, vergleichbar mit Segelflugzeugen", veranschaulichte Heino Hauf auf Nachfrage. Und der fehle dort unten momentan, also machten sie in der Türkei erst einmal Zwischenstation.
Der erste Storch sei übrigens am 27. März aus Lindenhagen gemeldet worden."Ich weiß danach nur noch von zwei, drei Fällen." Umso aufgeregter war deshalb natürlich Familie Kaesler aus Bandelow, Gemeinde Uckerland, die gestern die Ankunft des Lübbenower Storchenpaares beobachtet hatte.
"Dass die beiden Adebare trotz des schlechten Wetters eingeflogen sind, wundert uns ja", berichtete Mutter Kathrin, die am Morgen mit ihren beiden Sprösslingen zum Kindergarten und zur Schule unterwegs war, als Tochter Anne (14) Meister Adebar auf dem Stallgebäude in Lübbenow entdeckte.
Auch der vierjährige Hannes jubelte den Langschnäbelnzu.
"Also, wir wären noch im warmen Süden geblieben", nahmen sie schmunzelnd Bezug auf den überraschenden Wintereinbruch.

Dass die Störche meist paarweise anzutreffen seien, habe allerdings nichts mit ihrer engen Verbundenheit zueinander zu tun, räumte Hobby-Ornithologe Heino Hauf abschließend mit einer weit verbreiteten Meinung auf. Nicht Liebe, sondern allein die ausgesprochen starke Bindung an ihren Horst führe sie Jahr für Jahr wieder zusammen, vergleichbar mit menschlichen Paaren, die gemeinsam ein Haus bewohnten und sich deshalb nicht voneinander trennen würden.
In der Uckermark werden pro Jahr zirka 140 Storchenpaare gezählt, davon brüten schätzungsweise 50 im Altkreis Prenzlau.