Uckermark Kurier - Prenzlauer Zeitung, Artikel vom 14.08.2004 Von unserem Redaktionsmitglied Monika Strehlow

Wünschelruten keine Seltenheit - Mändle praktiziert Methode erfolgreich
Zwischen Himmel und Erde gibt es Dinge, die kaum erklärbar scheinen. Davon überzeugte sich der Uckermark Kurier bei Hermann Mändle – Rentner und offenbar mit einem Talent versehen, das bei rational veranlagten Menschen Ungläubigkeit hervorruft.
Der rüstige Hohengüstower behauptet von sich, mit zwei gebogenen Koppelzaun-Drähten Wasser- und Metalladern aufspüren zu können. Den Beweis tritt er auf einem Feld unweit seines Heimatdorfes Hohengüstow an. Die großen schwieligen Fäuste, die von Jahrzehnten schwerer Arbeit zeugen, umfassen zwischen Daumen und Zeigefinger die „Wünschelruten“. Die angewinkelten Arme vor der Brust halten seine Hände in Laufrichtung die Drähte parallel. Plötzlich gehen die Drähte wie von unsichtbarer Hand geführt auseinander, weisen an, dass hier unterirdisch Wasser fließen soll. „Probieren Sie es selbst“, lächelt der 67-Jährige und drückt die rostigen Drähte in die Hände seines Gegenübers. Dieses, vielleicht von zu viel Unglauben beseelt, läuft über die selbe Stelle, natürlich erfolglos. „Bei einigen funktioniert es, bei anderen nicht“, bekennt der Wünschelrutengänger. Vor 30 Jahren habe er gesehen, wie ein Kollege auf diese Art ein defektes Erdkabel suchte. Da habe er begonnen, sich ebenfalls
auszuprobieren. Auch drei der vier eigenen Kinder verfügen über sein Talent.
Eine wissenschaftliche Erklärung für dieses Phänomen kennt er nicht.„Ich habe zwar ein Buch angefangen zu lesen“, zeigt er auf Ulrich Holst‘s „Mit der Rute Wasseradern aufspüren“ . „Doch das ist mir alles zu wissenschaftlich, ich hab das Buch beiseite gelegt.“

Vom alten Meister gelernt
Axel Pietschmann, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes „Uckerseen“, berichtet, dass mindestens zwei seiner Männer über dieses Talent zum Wassersuchen verfügen. „Ich selbst kann das nicht. Aber die Kollegen sind tatsächlich in der Lage, Rohrleitungen zu finden.“ Das sei bei alten Drainagen hilfreich, über die es keine Unterlagen gibt.
Und der Brüssower Brunnenbauer Ulrich Radebach erklärt spontan: „Das habe ich von meinem alten Meister gelernt. Ich kenne noch mehr Leute, die in der Lage sind, nach dieser Methode Wasseradern aufzuspüren.“
Bei großen Aufträgen wie dem Bohren von Tiefenbrunnen vergewissert er sich beim geologischen Landesamt über die wasserführenden Schichten. Doch bei kleineren Aufträgen für Landwirte oder Kleingärtner praktiziere er selbst die „Wünschelrutenmethode“, nutze dafür einen V-Draht oder eine Weidenrute. „Denn die Weide lechzt nach Wasser, besonders im April, wenn die Vegetationsperiode beginnt.“ Von zehn Versuchen seien bis zu acht erfolgreich, erklärt der Brunnenbauer. „Einziger Nachteil ist, dass ich vorher nichts über Menge und Qualität des Wassers weiß.“ Mit Winkeldrähten sei er in der Lage, auch magnetische Störquellen im Boden wie Metallleitungen auszumachen. Aus Spezialbüchern habe er inzwischen viele Tipps für den erfolgreichen „Wünschelrutengang“ erhalten.
So praktiziert Hermann Mändle nicht als Einziger diese Methode in der Uckermark, die ja bekanntermaßen immer mehr von Trockenheit betroffen ist. Für seinen einstigen Betrieb jedenfalls ist der Mann – der die Hände kaum in den Schoß legen kann – ein wahrer Schatz, der besonders nach der Ernte viele undichte Drainagen aufspürt und zugänglich macht.